Rechtsanspruch: ver.di kritisiert beabsichtigte Verschlechterung der pädagogischen Rahmenbedingungen in den Kindertagesstätten

ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – Landesbezirk Baden-Württemberg

Stuttgart, 26. Juni 2013

Rechtsanspruch: ver.di kritisiert beabsichtigte Verschlechterung der pädagogischen Rahmenbedingungen in den Kindertagesstätten

Kurz vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz für unter dreijährige Kinder am 1. August 2013 kritisiert ver.di die beabsichtigte Flexibilisierung bei Gruppengrößen und Personalmindeststandards in den Kitas. Kommunale Spitzenverbände und kirchliche Träger haben mit dem Kultusministerium vereinbart, zur Deckung des enormen Fachkräftemangels die Standards bei Gruppengrößen im Krippenbereich zu flexibilisieren, bis zu 20 Prozent der Plätze im sogenannten Platzsharing-Verfahren zu vergeben und den Trägern Handreichungen für einen Fachkräftepool zu geben. Die Vereinbarung soll bis 31. Juli 2015 befristet sein. Damit droht eine weitere Verschlechterung der pädagogischen Standards zu Lasten der betroffenen Kinder, ihrer Eltern und der pädagogischen Fachkräfte.

„Wer glaubt, dringend benötigte Fachkräfte mit einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen gewinnen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt werden“, so Dagmar Schorsch-Brandt, die ver.di-Landesvize: „Notwendig sind hingegen verringerte Gruppengrößen und verbesserte Personalmindeststandards, also gute Arbeitsbedingungen, sowie eine Bewertung der Tätigkeit der pädagogischen Fachkräfte, die den gestiegenen Anforderungen entsprächen. Damit würden Voraussetzungen zur Linderung des Fachkräftemangels geschaffen.“

Neben der Verschlechterung der Gruppengrößen kritisiert die Gewerkschaft das sogenannte Platzsharing-Verfahren, in dem sich zwei Kinder einen Kita-Platz teilen. In der Praxis ist die Gruppenzusammensetzung zum Beispiel am Vormittag eine andere wie am Nachmittag. Die tatsächliche Anzahl der Kinder erhöht sich um bis zu 20 Prozent. Die pädagogischen Fachkräfte müssen daher 20 Prozent mehr Elterngespräche, ein Fünftel mehr individuelle Bildungspläne und mehr Entwicklungsbeobachtungen tätigen – bei gleicher Bezahlung. „Mit dem Platzsharing wird es für pädagogische Fachkräfte, aber auch für Kinder, zudem schwieriger, eine stabile Bindung zu entwickeln“, so Hansi Weber, die ehrenamtliche Vorsitzende der ver.di-Erzieherinnen: „Bildung und Bindung sind gerade im frühkindlichen Bereich untrennbar. Die Voraussetzung für die Umsetzung des Bildungsauftrags der Kindertagesstätten wird damit erheblich erschwert.“

Obwohl der Rechtsanspruch bereits 2005 vereinbart wurde, wurde wertvolle Zeit zur Rekrutierung der notwendigen pädagogischen Fachkräfte verschlafen. Der Fachkräftemangel wurde und wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Statt Sonntagsreden über den Wert frühkindlicher Bildung zu halten, fordert ver.di, die Rahmenbedingungen und Bezahlung zu verbessern.

Kontakt:
Dagmar Schorsch-Brandt 0170 9218345
Hansi Weber 0176 28166308

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Verantwortlich:
Andreas Henke, Pressesprecher
ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg, Theodor-Heuss-Straße 2 / Haus 1, 70174 Stuttgart
Tel.: 0711/88788-2390, Mobil.: 0170/2212331
e-mail: mailto:andreas.henke@verdi.de http://bawue.verdi.de/pressemitteilungen
http://twitter.com/verdi_bw

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Bernhard Strasdeit
Frischlinstraße 7, D 72074 Tübingen, mobil
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