Österreichischer Widerstand und Mythos

Zurück aus dem Urlaub – bei Kittners in Dedeniz (Hollerhof) bei Bad Radkersburg! Der Hollerhof liegt im Länderdreieck Österreich- Ungarn- Slowenien. Die Bevölkerung von Dedeniz und der umliegenden Dörfer ist slowenisch.  Der slowenische Bevölkersteil Österreichs siedelt in der Steiermark und in Kärnten – im Burgenland leben Kroaten, Roma und Ungarn. Österreichs ist mehrsprachig und multikulturell.

Durch die Lektüre im Urlaub von Peter Handkes Roman, „Immer noch Sturm“, lernte ich eine neue Seite der österreichischen Geschichte kennen. Der autobiografische Roman beschreibt einerseits die Familie Handkes in Kärnten, anderseits aber auch den Widerstand in diesem Gebiet (in Kärnten und der Südsteiermark). Diese Widerstandsbewegung war die einzige im „Großdeutschen Reich“, die den bewaffneten Widerstand praktizierte. Mit diesem erfüllten die  Partisaninnen und Partisanen als Hauptträger dieses Widerstandes eine Bedingung der Moskauer Erklärung der Alliierten von 1945. In dieser Erklärung heißt es zunächst: „Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll.“ Daraus konstruierten die österreichischen Nachkriegsregierungen einen österreichischen Opfermythos. Sie vergaßen eine weitere Formulierung der Moskauer Erklärung, die da lautet: „Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.“ Ironie der Geschichte ist es nun, dass diese Bedingung „selbst zu seiner Befreiung“ beizutragen, von eben dieser hauptsächlich slowenischen Partisanengruppen eingelöst wurde.

Ironie der Geschichte ist es, dass dieser Deutschnationalismus von dem sich Österreich nach 1945 veranschiedet hatte, nicht nur in Kärnten nach 1945 weiter seine unmenschlichen „Blüten“ trieb. Erinnert sei nur an Haider und seine Nachfolger. Auch dies thematisiert Handke in seinem lesenswerten Roman, die Sieger (die Partisaninnen und Partisanen) werden schnell wieder zu den Verliereren der Geschichte.

Hierzu ein Artikel aus der Tageszeitung „Die Presse“:
http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/704638/Wer-sind-da-die-Patrioten

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