Realsatire: Briefwechsel mit einem SPD-Staatssekretär

Nachtrag zur 125. Montagsdemo von Petra Brixel.
Es gibt Texte, die auf den ersten Blick wie kleine Sahnestückchen erscheinen. Aber nur Kabarettisten, Glossenschreiber und Zyniker haben ihre helle Freude an ihnen. Für die anderen sind diese Schriftstücke schlichtweg unverdaulich. Der Brief von Staatssekretär I. Rust im Finanzministerium an einen unserer Parkschützer ist so ein Beispiel. Das Schreiben wurde bei der gestrigen Montagsdemo auf der Bühne vorgelesen und zeigt, mit welcher Borniertheit „das Volk“ behandelt wird. Es ist ein Stück Anschauungsunterricht für die Haltung von Politikern zum Thema „wir da oben, ihr da unten“. Immer noch, auch in der neuen grün-roten Regierung – wo doch eigentlich den Bürgern gegenüber ein „anderer Politikstil“ gewählt und „bürgerschaftliches Engagement“ gefördert werden sollte -, gibt es Gutsherrendenken und eine Sprache der Arroganz. Zu verdanken ist die Offenlegung von Floskeln und Dreistigkeiten dem Parkschützer Ulrich Scheuffele, der sich als Mitglied und aktiver Unterstützer der Gruppe „Kultur im Park“ Gedanken über einen neuen Standort für das Kulturzentrum Unser Pavillon gemacht hat. In seinem Brief an Staatssekretär Rust schreibt Scheuffele am Schluss: „Wir würden gerne ein Gespräch mit Ihnen führen über die Möglichkeit eines neuen Standortes für unseren Pavillon im Park.“
Da die neue Landesregierung Gesprächsbereitschaft als oberstes Kommunikationsziel hat, sollte man davon ausgehen, dass das Büro des Staatssekretärs sich um einen Termin bemüht. Dem ist aber nicht so. Stattdessen werden Satzbausteine aneinandergefügt, die den verdutzten Leser zwischen Sprachlosigkeit und zynischem Gelächter zurücklässt.
Welcher Geist hat nur dem Staatssekretär den folgenden Abschnitt in die Feder diktiert: „Der Schlossgarten dient als Repräsentationsfläche des Landes und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Er steht als ein Kulturdenkmal ersten Ranges und historischer Garten unter Denkmalschutz.“ Das reicht als Begründung, dass der Pavillon in diesem einmaligen historischen Garten quasi untragbar sei und damit nicht aufgestellt werden darf.
Sagen Sie, Herr Staatssekretär, dass es nicht wahr ist, dass Sie das persönlich geschrieben bzw. unterschrieben haben. Sagen Sie, dass Sie rot geworden sind, als Sie den Text – aus welchen Gründen auch immer – so verfasst haben. Sagen Sie, dass Sie sich im Nachhinein genieren, diese Worte abgefasst zu haben. Sagen Sie das, damit ich merke, dass im Staatsministerium Menschen sitzen und nicht Floskel-Maschinen. Sagen Sie bitte, es ist Ihnen gar nicht aufgefallen, dass man den denkmalgeschützten Südflügel abgerissen hat, dass Sie ganz übersehen haben, dass ja auch ein Bahnhof eine Repräsentationsfläche einer Stadt ist. Sagen Sie, dass Sie beim Anblick der Brache hinter dem Stuttgarter Bahnhof erst jetzt gemerkt haben, dass da gar keine Bäume mehr stehen und da mal der Mittlere Schlossgarten war, ein Naherholungsgebiet der Bevölkerung. Sagen Sie, dass der Bahnhof gemeinsam mit dem anschließenden Park und der ehemaligen Bundesbahndirektioon ein Kulturdenkmal ersten Ranges war und deshalb eigentlich hätte geschützt werden müssen.
Natürlich können Sie das nicht sagen, aber warum schreiben Sie nicht offen und ehrlich, was schon der Finanzminister gesagt hat, dass nämlich „keine K21-Symbole im Stadtgebiet zu sehen sein dürfen“.
Aber traurig ist es schon, dass diese Stadt Angst hat, in einem „historischen Garten“ ein kleines Häuschen der Kultur aufzustellen. Kann die Stadt so wenig ertragen? Vielleicht hätte Herr Scheuffele den König Wilhelm II. um Rat fragen sollen. Doch der kann sich nur noch im Grabe umdrehen. Nicht ohne Grund wollte er wohl nicht in Stuttgarter Erde begraben sein.

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