Indien und Rabindranath Tagore

Jürgen Gerrmanns Blog aus Kalkutta

http://www.zur-zeit-calcutta.de/

Mit einem Post von mir:

Hallo Jürgen,dein Blog tut gut, weil er den Blick in ein fernes Land öffnet, weit weg von bloßen touristischen Betrachtungen und weil er mir auch einen Blick zurück ermöglicht.  Ich habe mir nämlich überlegt, woher kommt eigentlich mein Interesse an Rabindranath Tagore? In meiner Kinder- und Jugendzeit lasen wir Texte von Heine, Brecht aber auch Texte der amerikanischen Literatur, wir hörten und sangen Lieder der Arbeiterbewegung und deutsche und amerikanische Protestsongs. In einem der Lieder gab es eine Textstelle in der Rabindranath Tagore vorkam. Es war der Song „Gesang der Edellatscher“ (Text und bekannte Interpretation: Erich Weinert) aus den 20 Jahren. Dieser Text findet sich am Ende dieses Posts. Er setzt sich kritisch mit dem Tagore-Rummel auseinander. Tagore war u.a. auf seiner Deutschlandreise auf der Burg Waldeck, eingeladen von den Nerother Wandervögeln. Dies Jugendorganisation stammt aus der bündischen Jugend und der Wandervogelbewegung, die sich gegen das bürgerliche Leben stellte und ihre Zukunft in der Natur sah. Später glitt diese Gruppe ab in das nationalistische Lager. Die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck organisierte dann von 1964 bis 1969 das erste Open-air-Festspiel das Festival Chanson Folklore International auf dieser Burg. Hauptorgansiator war der leider jung verstorbene Peter Roland, er stammte aus Göppingen. Dies war für uns ein Höhepunkt des Jahres zu Pfingsten dieses Festivals zu besuchen. Gestört wurde dieses bedeutende Festival massiv von den Mitbesitzern der Burg, eben diesen Nerothern.
Zurück zum Text: Da ich nicht wusste, was Rabindanath Tagore bedeutet, ob es nur ein Spruch ist oder ein Mensch, habe ich begonnen mich mit diesem zu beshcäftigen und damit auch mit Indien und der Beziehung Indien-Deutschland.
Ein zweiter Bezugspunkt gab es für mich dann erst wieder in den 70er Jahren. Ich schrieb einen Brief an den Schriftsteller Stefan Heym (der dieses Jahr 100 Jahre alt wird), dieser lebte in der DDR. Da ich seine Adresse nicht kannte, schrieb ich auf den Briefumschlag „Stefan Heym, Schriftsteller, Berlin (DDR)“.Der Brief kam an, ich korrespondierte mit ihm und bekam seine Anschrift, sie lautete: Stefan Heym,  Rabindranath-Tagore- Straße“. Dies war wiederum für mich Anlass mich mit diesem indischen Schriftsteller erneut zu beschäftigen.

Du siehst, lieber Jürgen, dass deine Text nicht nur Informationen über Indien beinhalten, sondern auch anregen sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Lieber Grüße
Peter

Gesang der Edellatscher:
Text und bekannte Interpretation: Erich Weinert

Der Frühling braust; wir ziehen fürbaß
und zupfen unsere Geigen.
Wir hüpfen froh ins nasse Gras
und tanzen unsre Reigen.
Die Klampfe klirrt im Schritt und Tritt.
Die Kochgeschirre klirren mit.
Der Wald ist voll Akustik.
Wir sind so schrecklich lustig.

Und sitzen wir am Waldesrand,
dann schweigen unsre Klampfen,
dann lassen wir durchs stille Land
die Hafergrütze dampfen.
Die Maggisuppe duftet weit
in Wald und Bergeseinsamkeit.
Wie lustig schmort die Soße
in der Konservendose!

Und ist die Grütze aufgekaut,
dann wird in blau und rosa,
das Seelenleben aufgebaut,
teils lyrisch, teils in Prosa.
Hoch in den Wolken flieht der Blick.
Wir ziehen uns aus der Welt zurück
und sprechen leis im Chore
Rabindranath Tagore.

Wir fühlen uns nicht bürgerlich
und auch nicht proletarisch.
Wir wandeln auf dem Himmelsstrich
und leben literarisch.
Die schnöde Welt, wir hassen sie.
Nur abgeklärte Poesie
ist unsre Seelenspeise.
Wir sind so schrecklich weise.

Pfui Klassenkampf! Wie ordinär!
Wir kennen nicht Tarife.
Der Reichtum kommt von innen her
aus unsrer Seelentiefe.
Wer sich von innen her beschaut
und Nietzsche liest und Rüben kaut,
was kümmern den die andern?
Juchhu! Wir müssen wandern!

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