OB-Wahl, 2. Wahlgang

Teckbote, 24.10.2011 – 02:02 Uhr

Otmar Heirich bleibt im Amt

Eine Internet-Kampagne konnte Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich (SPD) nicht vom Sessel kippen. Der Amtsinhaber erhielt im zweiten Wahlgang 49,57 Prozent der Stimmen. Seine Kulturbürgermeisterin Claudia Grau kam auf 32 Prozent, obwohl ihr Name gar nicht auf dem Wahlzettel stand.

Roland Kurz

Nürtingen. Dank eines Internet-Aufrufs hatte die 47-jährige Bürgermeisterin im ersten Wahlgang gut 700 Stimmen erhalten. Nach dem Rückzug von zwei Kandidaten und der erzwungenen Beichte einiger Verfehlungen von Sebastian Kurz war ein Sieg von Grau zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen. Im vollen Foyer im Nürtinger Rathaus wagte deshalb kaum einer eine Prognose.

Um 18.14 Uhr löste sich die Spannung merklich: Nachdem sechs von 36 Bezirken ausgezählt waren, tauchte bei Heirich die Zahl 50,7 Prozent auf. Bei den Sonstigen – das stand mehr oder weniger für Claudia Grau – waren es 31,6 Prozent. Der absehbare Sieg Heirichs löste verhaltenen Beifall aus. Kräftig geklatscht wurde erst, als der erste Wahlbezirk an Grau ging, zwei weitere folgten.

Am Ende entfielen von den 12 236 Stimmen 6 065 auf Heirich. 3 916 Wähler schrieben in der Wahlkabine Claudia Grau auf den Zettel. Rettungsassistent Sebastian Kurz hatte nur noch 1 510 Anhänger, vor zwei Wochen waren es noch über 3 000. Bei Eventmanager Andreas Deuschle kreuzten 483 Wähler an. Die Wahlbeteiligung blieb mit 42,7 Prozent so niedrig wie vor 14 Tagen.

Noch bevor Heirich ans Mikrofon trat, erklärte Grau den Journalisten, der OB habe ein „sehr gutes Ergebnis“ erhalten. 82 Prozent der Bürger hätten verantwortungsvoll gewählt, nämlich Verwaltungskompetenz. Dass die mit ihr nicht abgestimmte Internet-Aktion das Verhältnis mit Heirich belastet, glaubt Grau nicht: „Wir sind beide professionell genug, damit umzugehen.“

Heirich dankte jenen, die ihn in den vergangenen zwei Wochen ermutigt hatten, die Kandidatur aufrechtzuerhalten. Und er dankte seiner Familie und seiner Frau, „die in den letzten Wochen einiges durchgemacht haben“. Er hoffe, dass Nürtingen bald wieder positive Schlagzeilen mache. Dafür gab es satten Applaus.

Thaddäus Kunzmann, Landtagsabgeordneter und CDU-Fraktionschef, kommentierte die Wahl zurückhaltend: „Es ist gut, dass es jetzt ein klareres Ergebnis gegeben hat – egal für wen.“ Beim ersten Wahlgang hatte Heirich nur 39,97 Prozent erhalten.

„Ein schlechtes Ergebnis für den Amtsinhaber“, fand dagegen Peter Rauscher (Linke). Matthias Hiller (Junge Bürger) hofft, dass die Gräben, die im Wahlkampf entstanden seien, wieder zugeschüttet werden. Dieter Braunmüller (Grüne) glaubte zwar nicht an einen Wahlerfolg Graus, fand es aber erstaunlich, dass Amtsinhaber Heirich in dieser „Phantomwahl“ doch fast 50 Prozent schaffte. Der OB solle jetzt allen die Hand reichen, das habe er in seiner Dankesrede nicht getan.

Auch Sebastian Kurz hätte Heirich keine 50 Prozent mehr zugetraut, vom eigenen Ergebnis war er sehr enttäuscht. Raimund Bihn, der nach dem ersten Wahlgang abgesprungen war, fand es „beschämend“, dass Claudia Grau von jemand benutzt worden sei, obwohl sie nicht kandidieren wollte.
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