Zukunft der Schulen

Die  Nürtinger Zeitung berichtet am  04.07.2011 über die Sitzung des Kultur-, Schul- und Sozialausschusses des Nürtinger Gemeinderates

Zukunft der Schulen liegt im Ungewissen

Aus dem Schulentwicklungsplan kann der zuständige Gemeinderatsausschuss nicht viel ableiten, weil keiner weiß, wie es weitergeht

Ein voluminöses Zahlenwerk bleibt vorerst ohne Folgen: Der Kultur-, Schul- und Sozialausschuss des Nürtinger Gemeinderates befasste sich in seiner jüngsten Sitzung zwar mit dem neuen Schulentwicklungsplan für die Stadt. Aber weil im Moment keiner weiß, wie die Bildungslandschaft der Zukunft aussieht, verharrte die Debatte eher im Nebulösen.


VON JüRGEN GERRMANN

NÜRTINGEN. Lediglich zur Vergangenheit konnte Bürgermeisterin Claudia Grau da Konkretes sagen: Im Schuljahr 2010/11 besuchten 5582 Schüler die verschiedenen Nürtinger Schulen. Der Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Jahr davor verteilte sich unterschiedlich. Bei den Grundschulen liege man in etwa im Landestrend, bei den Werkrealschulen ergebe sich entgegen dem Trend ein relativ positives Bild, und die Realschulen litten eben unter den schlechten räumlichen Bedingungen: „Wir hoffen, dass sich das nach der Erweiterung ändert.“ Bei den Gymnasien habe der Rückgang bereits stattgefunden: durch das Ausweichen vieler Schüler auf Umlandgymnasien.

Egon Eigenthaler (fraktionslos) wollte wissen, wie sich die plötzliche Abkehr der Bundes-CDU von der Hauptschule eventuell auf die Situation in Nürtingen auswirke: „Die neue Landesregierung wird da ja sicher hocherfreut Hallo schreien.“ Für eine Antwort war es Claudia Grau indes noch zu früh: „Wenn wir genau wissen, wie das Schulwesen im Land konkret ausgestaltet wird, können wir das abschätzen.“

„Das Gymnasium ist in Nürtingen zur eigentlichen Hauptschule geworden“  Peter Rauscher, Stadtrat

Peter Rauscher (Nürtinger Liste/Grüne) hatte sich die Übergangszahlen nach der vierten Grundschulklasse mal genauer angeguckt: „Da wird man schon sehr nachdenklich.“ Denn: „Es kann nicht sein, dass unterschiedliche soziale Verhältnisse zu so unterschiedlichen Übergangsquoten führen.“ Das Gymnasium sei in Nürtingen mittlerweile zur „eigentlichen Hauptschule“ geworden, schließlich wechselten fast 41 Prozent dorthin (32 Prozent entscheiden sich für die Realschule und 26 bleiben an Haupt- oder Werkrealschule): „So kann ein Schulsystem nicht funktionieren.“ Auch hierzulande müsse man es daher so machen wie „in aller Welt üblich“: „Alle Kinder gehen von Klasse 1 bis 9 in dieselbe Schule und dann entweder in den Beruf oder das Gymnasium.“

Aus seiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber derlei Statistiken und Prognosen machte Arnulf Dümmel (Freie Wähler) keinen Hehl. Er habe sich mal den Vorjahresbericht zur Hand genommen, erzählte er: Vieles sei da völlig anders gelaufen als vorhergesagt. So habe es zum Beispiel statt 371 Einschulungen nur deren 321 gegeben: „Bei solch hohen Fehlerquoten ist das Papier nicht verwertbar.“ Ohnehin sei im Moment vieles einfach zu sehr im Fluss, als dass man vernünftig planen könne.

Bärbel Kehl-Maurer (SPD) berichtete aus ihrer beruflichen Praxis. Seit es das G8 gebe, stelle sie eine verstärkte Rückwanderung vom Gymnasium zu den Realschulen fest: „Es ist eine ungute Entwicklung, wenn das soziale Gefüge immer wieder dadurch durcheinandergewirbelt wird, dass ständig Klassen geteilt werden müssen.“ Sehr gefreut habe sie indes, dass die Entscheidung des Nürtinger Gemeinderats, zwei Werkrealschulen einzurichten, sich als richtig erwiesen habe. Die Schülerzahlen nähmen zu, auch weil es sich um Ganztagsschulen handle und die Stadt die Betreuung garantiere.

„Wir sind eigentlich auf dem richtigen Weg“, sinnierte Thaddäus Kunzmann (CDU), der mit dem unerwarteten Sinneswandel seiner Parteispitze zur Hauptschule offensichtlich seine Probleme hat. Daher ersparte er sich auch längere Ausführungen: „Wir brauchen uns nicht vertieft zu unterhalten. Wir sollten erst mal schauen, was konkret in welchem Zeitraum kommt und wie sich das entwickelt.“ Einen Vorschlag hatte er dann aber doch noch: „Nachdem wir jetzt überall so schöne Schulräume haben, sollten wir uns auch mal vertieft dem Thema Schulhöfe widmen.“

„Entscheidung für zwei Werkrealschulen war richtig“: Die Mörikeschule ist eine davon. Foto: Holzwarth

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