Rauscher in der Filderzeitung

Angezogen vom Protest
Stuttgarter Zeitung, „Filder-Zeitung“, aktualisiert am 18.03.2011 um 00:00
Linke Peter Rauscher kandidiert für den Landtag, aber der Partei der Linken ist er nicht beigetreten. Von Ulrich StolteStets hört man deutlich, was Peter Rauscher zu sagen hat, sei es beim Gewerbegebiet in Nürtingen, sei es in der Bildungspolitik. Baden-Württemberg sei dasjenige Bundesland, wo die Bildungschancen der Kinder mehr als anderswo in der Republik vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Wenn Rauscher etwas zu sagen hat, dann sagt er es deutlich.

Ein Polterer, sagen die einen, einer der sich nicht verbiegt, sagen die anderen. „Manchmal muss man einfach mal was sagen“, sagt Peter Rauscher selbst. Im Nürtinger Gemeinderat tut er das zusammen mit seinem Kollegen von der Nürtinger Liste, die mit acht Sitzen im Rat vertreten ist.

Rauschers Generation, die in den vierziger Jahren geboren wurde, oblag es, den Muff der frühen 60er Jahre in Deutschland auszufegen. Als Jugendlicher stand er schon mit dem Vater auf Streikposten bei dem Flugzeughersteller Heinkel in Zuffenhausen. Er hat auch erfahren wie es ist, wenn kein Geld in der Streikkasse mehr war und die Eltern nicht mehr wussten, wie sie zurecht kommen sollten, aber ihr eigenes Interesse dennoch dem Arbeitskampf unterordneten. Peter Rauscher fühlte sich vom gesellschaftlichen Protest angezogen. Er schnürte sich die Stiefel zu den ersten Ostermärschen in Deutschland, er protestierte gegen die Atomkraft und den Vietnamkrieg.

In eine Partei ist er nie eingetreten, parteilos kandidiert Peter Rauscher auf der linken Liste. Das Ende der 68er ist längst Geschichte. Die einen gingen in den Untergrund, die anderen durch die Instanzen. Peter Rauscher studierte an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und wurde Realschullehrer, er arbeitete an der Geschwister-Scholl-Realschule in Nürtingen. Jetzt ist er in Rente, aber nicht im Ruhestand. In Nürtingen hat er geholfen, einen genossenschaftlichen Laden zu gründen, seine fünfjährige Tochter hält ihn auf Trab. Rauscher steht für eine umfassende Bildungsreform, für die Abschaffung von Kindergartengebühren, für den Kopfbahnhof 21 und für mehr direkte Demokratie.

Peter Rauscher glaubt an einen künftigen Sozialismus, in dem mehr Gleichheit und mehr Gerechtigkeit herrschen soll, als in der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft. Freilich müsste es, anders als in den Staaten des ehemaligen Ostblocks, ein demokratischer Sozialismus sein – „ohne Zwang“.

Persönliches

Geboren: in Ludwigsburg

Wohnort: Nürtingen

Konfession: „katholischer Atheist“

Politische Ämter: Stadtrat

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