Gemeinderat stößt die Freie Kunstakademie vor den Kopf

„Filder-Zeitung“, aktualisiert am 10.02.2011 um 00:00 Uhr Nürtingen.

Das Gremium hat beschlossen, den Mietvertrag für das Melchiorareal zu kündigen. Von Jürgen Veit Die Tage der Freien Kunstakademie Nürtingen (FKN) auf dem Melchiorgelände am Neckar sind gezählt.

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung mit vier Stimmen Mehrheit beschlossen, nach 33 Jahren den Mietvertrag mit der Einrichtung zu kündigen. Außerdem wurde die Verwaltung damit beauftragt, eine Ausschreibung für das Areal vorzubereiten, um Investoren und deren Konzepte für eine andere Nutzung der sanierungsbedürftigen Gebäude an Land zu ziehen. „Damit ist die Richtung vorgegeben“, sagte der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich nach der Abstimmung, der einmal mehr eine lange Diskussion vorausgegangen war. In dieser wurden jedoch keine neuen Argumente ausgetauscht. Die Stadt könne sich die aufwendige Sanierung der Gebäude auf dem Melchiorgelände nicht leisten, betonte Heirich. Deshalb sei die Kunstakademie an diesem Standort nicht mehr zu halten. Eine Ansicht, der sich die CDU, die Freien Wähler, die FDP und die Jungen Bürger anschlossen. Einstimmig sprach sich das Gremium jedoch dafür aus, die FKN in Nürtingen halten zu wollen. Deshalb soll die Verwaltung mit dem Eigentümer des von der Stadt vorgeschlagenen Alternativstandorts in der ehemaligen Strickerei Fischer Verhandlungen über die Bedingungen für eine eventuelle Anmietung aufnehmen. Laut Ulrich Wegenast vom Vorstand der FKN „lohnt die Mühe nicht“. Die Verantwortlichen der Akademie hätten bereits deutlich gemacht, dass die Strickerei in der Ersbergstraße als Domizil keinen Sinn ergebe – „im Übrigen auch nicht für die Stadt“, sagt Wegenast. Jenen Stadträten, die sich für einen Verbleib der FKN auf dem Melchiorgelände ausgesprochen hätten, nehme er ab, dass es ihnen um die Einrichtung gehe. Den Kommunalpolitikern, die das Areal an einen Investor veräußern wollen, aber stets beteuert hätten, wie wichtig es ihnen sei, dass die FKN in der Stadt bleibe, unterstellt er „Heuchelei“. Die jetzt getroffene Entscheidung sei ein „Affront gegen die Gründungsmitglieder und die Menschen, die die Gebäude damals vor dem Abriss gerettet haben“. Einer von ihnen ist Jürgen Thies. Er empfindet die Diskussion im Gemeinderat ebenso wie Wegenast. Die Stadt brüste sich jetzt mit dem idyllischen Hölderlingarten am Melchiorgelände, „den wir angelegt haben“, sagt Thies. Wegenast sieht für die FKN keine Zukunft mehr in Nürtingen. Es sei so gut wie sicher, dass zumindest ein Teilbereich der Akademie nach Fellbach ziehe. Außerdem gebe es Gespräche mit der Nachbarstadt Kirchheim, deren Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die FKN ebenso wie ihr Fellbacher Kollege Christoph Palm, „mit Kusshand“ nehmen würde. Ein passendes Objekt sei in Kirchheim mit dem Otto-Ficker-Areal ebenfalls vorhanden. Angelika Matt-Heidecker bekennt, „Feuer und Flamme“ für eine FKN-Ansiedlung in ihrer Stadt zu sein. Uli Wegenast könnte sich eine enge Verbindung zwischen den beiden Standorten Fellbach und Kirchheim vorstellen: „Es wäre kein Fehler, dezentraler aufgestellt zu sein“. Für die beiden Verwaltungschefs Palm und Matt-Heidecker wäre es kein Problem, wenn sich die verschiedenen Angebote der FKN auf die zwei Städte verteilten. „Eine FKBW hätte durchaus ihren Charme“, sagt Palm und meint damit eine Freie Kunstakademie Baden-Württemberg.

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